Humboldt-Professur für Prof. van der Aalst

05.06.2018
Portrait von Prof. van der Aalst, im Hintergrund Bücherregale Urheberrecht: Humboldt-Stiftung/Elbmotion

Bereits zum 1. Januar 2018 kam der Niederländer Prof. Wil van der Aalst als Professor an die RWTH Aachen. Die Hochschule konnte den Informatiker der Technischen Universität Eindhoven mit einer Alexander von Humboldt-Professur gewinnen.

 

Der 51-Jährige gilt als ausgewiesener Experte in den Bereichen Process Mining, Business Process Management, Workflow Management Systems und Data Science. Er gehört zu den meistzitierten Wissenschaftlern seiner Fachrichtung und veröffentlichte über 200 wissenschaftliche Fachartikel, ist an 500 Buch- und Konferenzveröffentlichungen beteiligt und hat als Autor oder Herausgeber 20 Bücher publiziert.Das Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert im Rahmen des „Internationalen Forschungsfonds für Deutschland“ die Alexander von Humboldt-Professuren. Diese sind mit 5 Millionen Euro die höchstdotierten deutschen Forschungspreise. Der Kandidat beziehungsweise die Kandidatin wird von der jeweiligen Hochschule nominiert. Er beziehungsweise sie muss im Ausland arbeiten und weltweit wissenschaftlich anerkannt sein. Ein interdisziplinärer Auswahlausschuss der Alexander von Humboldt-Stiftung entscheidet über die Vergabe. Ziel ist es, die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Forschungsstandortes Deutschlands nachhaltig zu stärken. Die Preissumme dient der Finanzierung der Professur für die ersten fünf Jahre, die Universitäten legen bei Nominierung ein Konzept vor, wie die Professur langfristig finanziert werden soll.

„Diese Bewilligung der Alexander von Humboldt-Professur ermöglicht es uns, einen Spitzenforscher nach Aachen zu holen. Mit Professor van der Aalst werden wir unsere Zukunftspläne im äußerst wichtigen Bereich Data Science ganz wesentlich voranbringen“, so RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg. Van der Aalst studierte Informatik an der TU Eindhoven. Nach beruflichen Stationen an der TU Eindhoven und als IT Consultant erhielt er im Jahr 2000 eine Professur an der Universität Eindhoven und ist auch wissenschaftlicher Leiter des Data Science Center Eindhoven. Seit 2003 ist er Gastprofessor der Queensland University of Technology in Brisbane, auch ist er als Gastprofessor am Forschungsinstitut Bruno Kessler im italienischen Trento engagiert. Van der Aalst ist Ehrendoktor der Universität Hasselt, Honorarprofessor der Tsinghua University sowie Honorarprofessor der Higher School of Economics Moskau. Zudem ist er Mitglied der Royal Holland Society of Science and Humanities, der Academia Europea, der Royal Netherlands Academy of Arts and Sciences und im Board of Governors der Tilburg University.

Preisverleihung der Alexander von Humboldt-Professur in Berlin

Die Verleihung der Alexander von Humboldt-Professur von Wil van der Aalst fand am 8. Mai in Berlin statt. Die diesjährige Verleihung war ein besonderer Anlass, denn die AvH-Stiftung feiert das 10-jährige Jubiläum der AvH-Professur. Der Preis wurde von der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, verliehen.

Wil van der Aalst zählt zu den führenden Köpfe der Computer Sciences. Seine Forschungen zeichnet aus, dass er konkrete Geschäftsprozesse, Arbeitsabläufe oder Organisationsstrukturen untersucht und sich nicht auf Fragen rund um die reine Datenverarbeitung mittels Software oder Algorithmen beschränkt. Einen internationalen Ruf hat sich van der Aalst insbesondere als Begründer des noch recht jungen Gebiets Process Mining erarbeitet: Dabei wird der Ablauf von Aktivitäten und die Abfolge von Ereignissen, die einen Arbeitsprozess ausmachen, chronologisch anhand von Logdaten rekonstruiert und analysiert. Zugleich wird die Ebene der menschlichen Akteure mitberücksichtigt, die die einzelnen Schritte der Prozesse ausführen. So können auch komplexere Vorgänge, an denen mehrere menschliche Akteure beteiligt sind, untersucht werden: die Gepäckabfertigung an Flughäfen etwa, die Kreditvergabe bei Banken oder die Schadensbearbeitung von Versicherungen. Hier kann mithilfe von Process Mining beispielsweise analysiert werden, ob die tatsächlichen Abläufe mit den vorgesehenen Prozessabläufen übereinstimmen oder welche Schritte eines Prozesses besonders zeit- oder kostenintensiv sind. Das von van der Aalst mitentwickelte Open Source-Tool ProM gilt dabei weltweit als Standardwerkzeug. An der RWTH Aachen soll Wil van der Aalst als Alexander von Humboldt-Professor das Querschnittsgebiet der Prozess- und Arbeitsablaufanalysen verstärken und die Kooperation mit den Bereichen Ingenieurwissenschaft, Wirtschaft, Ökonomie und Medizin sowie mit der Industrie intensivieren.

 
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